23.09.2019, 19:13 Uhr »

Gefährlicher als Motorsägen

Die BGN-Prävention startet eine Aktion zur Vermeidung von Abstürzen auf Stehleitern


Akzente 1/2014 Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation
von Jörg Bergmann

Abstürze von Stehleitern gehören zu den folgenschwersten Unfällen überhaupt. In vielen Fällen sind sie mit langen Ausfallzeiten und hohen Rehabilitationskosten verbunden. Die BGN- Prävention möchte Unfälle mit Stehleitern verhindern helfen und startet 2014 die Kampagne "Bleib oben!".


"Herr D. ist auf der Stehleiter ausgerutscht und aus etwa 2 m Höhe auf den Boden gefallen." Unfallschilderungen dieser Art erhält die BGN häufiger und zwar aus Betrieben jeder Branche und jeder Größe. Schnell könnte man also denken: eine Banalität, eine Lappalie. Aber weit gefehlt! Abstürze von Stehleitern gehören zu den folgenschwersten Unfällen überhaupt. Untersuchungen aus Amerika kommen sogar zu dem Ergebnis: Leitern sind (statistisch gesehen) gefährlicher als Motorsägen.

Fakt ist: Häufig sind die Verletzten nach dem Unfall Wochen oder sogar Monate arbeitsunfähig, die Kosten für die BGN erreichen fünf- bis sechsstellige Beträge, am Ende verbleibt nicht selten eine dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigung beim Beschäftigten.
So wie bei Herrn D.: Anfang Oktober 2012 stürzte er bei Reinigungsarbeiten von der Stehleiter. Dabei zog er sich den Bruch des rechten Unterschenkels zu. Herr D. musste mehrfach operiert werden, er verbrachte viele Wochen im Krankenhaus und in Rehabilitationsmaßnahmen. Fast ein Jahr lang war er arbeitsunfähig. Jetzt, etwas mehr als 15 Monate danach, hat er immer noch Schmerzen beim Laufen, ein Einsatz an seinem alten Arbeitsplatz ist nicht mehr möglich. Die BGN hat inzwischen über 70.000 EUR für Heilbehandlung und Rehabilitation aufgewendet.

Weil der Fall von Herrn D. kein Einzelfall ist, will die BGN-Prävention auch nicht "zur Tagesordnung" übergehen. Das Thema "Abstürze von Stehleitern" muss offensiv angegangen werden! Die Auswertung von über 300 Leiterunfällen, die durch die Aufsichtspersonen der BGN detailliert untersucht wurden, bringt wertvolle Erkenntnisse für die Unfallverhütung. So hat sich gezeigt, dass nur ganz selten eine schadhafte oder defekte Leiter die wesentliche Ursache des Absturzes war.
Im Brennpunkt stehen vielmehr die unsachgemäße Aufstellung der Leiter sowie das "nicht sichere" Verhalten des Mitarbeiters auf der Leiter. Hinzu kommt, dass Arbeiten auf Stehleitern oft ungeplant oder improvisiert sind und dass sie häufig unter Zeitdruck ablaufen. "Ich wollte nur schnell …" oder "kurzfristig mussten wir …" sind Aussagen, die im Zusammenhang mit Leiterunfällen nicht selten zu hören sind. Dagegen hilft die betriebliche Gefährdungsbeurteilung, das Universalwerkzeug der Arbeitsschützer, leider auch nur bedingt. Denn dort können nur solche Tätigkeiten sinnvoll beurteilt werden, die auch vorhersehbar sind - und gerade das ist beim Einsatz von Leitern nicht immer der Fall. Um Unfälle mit Stehleitern zu verhindern, müssen den Mitarbeitern die speziellen Risiken beim Leitereinsatz aufgezeigt und bewusst gemacht werden.

In 2014 startet die BGN daher die Aktion "Bleib oben!". Die BG will das Thema in die Betriebe tragen, dort mit den betroffenen Beschäftigten ins Gespräch kommen und ihr Bewusstsein für die Gefährdungen bei Arbeiten auf Leitern schärfen. Dabei soll es aber keinen erhobenen Zeigefinger geben, sondern offene und möglichst lebhafte Diskussionen und eine spielerische Vermittlung von grundlegenden Verhaltensweisen.

Folgenschwere Unfälle mit Stehleitern.


Unternehmer Michel E. wollte im Carport seines Hotels nur einen Haken anbringen, als die Stehleiter, auf der er stand, plötzlich kippte. Der Sturz war nicht spektakulär, hatte aber weitreichende Folgen. Der rechte Oberarmkopf war durch den Sturz völlig zerstört und musste durch eine Prothese ersetzt werden. Dem Hotelier und Koch drohte zwischenzeitlich die Amputation des rechten Armes. Seine berufliche Existenz stand auf der Kippe. Mit BGN-Hilfe und einem intensiven Reha-Programm ist es gelungen, dass Michel E.nach einem Jahr harten Trainings schrittweise wieder in seinen Betrieb einsteigen konnte.

Max B. stand auf einer Stehleiter und reparierte einen Rollladen oben am Rollladenkasten, als die Leiter plötzlich kippte. Mit einem Sprung von der Leiter wollte er einen Absturz verhindern. Das ging schief und er zog sich einen komplizierten Fersenbruch zu. Er war 119 Tage krankgeschrieben. Die BGN zahlte rund 18.000 EUR für die medizinische Versorgung und Verletztengeld. Aufgrund bleibender Verletzungsschäden zahlt die BGN Max B. eine monatliche Rente von 226,50 EUR.

Peter D. war im Oktober 2012 bei Reinigungsarbeiten von der Stehleiter gestürzt und hatte sich den rechten Unterschenkel gebrochen. Er musste mehrfach operiert werden und war fast ein Jahr lang arbeitsunfähig. Jetzt, etwas mehr als 15 Monate nach dem Unfall, hat er immer noch Schmerzen beim Laufen. An seinen alten Arbeitsplatz kann er nicht mehr zurückkehren. Die BGN hat inzwischen über 70.000 EUR für Heilbehandlung und Rehabilitation aufgewendet.


Neugierig? Mehr zur Aktion „Bleib oben!“:
www.bgn.de, Shortlink = 1379

Interesse an einer Vor-Ort-Aktion? Melden Sie sich bei uns:
E-Mail: bleib-oben@bgn.de
oder Fax: 0800 197755316220